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Handys mit 10.000-mAh-Akkus sind auf dem Vormarsch, lösen aber ein anderes Problem, als man denkt

Ein Akku mit Rekordlaufzeit klingt nach drei Tagen ohne Ladegerät, verlängert aber vor allem die Lebensdauer um Jahre

Handys mit Akkus von 10.000 mAh oder mehr werden immer beliebter. Das lässt vermuten, dass das tägliche Aufladen der Vergangenheit angehört: einmal aufladen und drei Tage lang nutzen. Wenn man jedoch über die Angabe auf der Verpackung hinausblickt, wird deutlich, dass ein so großer Akku ein ganz anderes Problem löst. Nicht das Aufladen, sondern den Verbrauch.

Was haben das Oppo A7 Pro Max, das Honor Power2, das vivo Y600 Pro und das Realme P4 Power gemeinsam? Sie alle verfügen über einen integrierten Akku mit mindestens 10.000 mAh, ohne dabei wie ein Ziegelstein auszusehen. Diese Modelle sind in den Niederlanden (noch) nicht erhältlich – dazu später mehr –, aber sie veranschaulichen einen Trend, der sich bereits seit einiger Zeit abzeichnet.

Mehr mAh, aber nicht proportional mehr Betriebsstunden

Jahrelang stagnierte die Akkukapazität von Smartphones bei etwa 5.000 mAh. Das änderte sich mit dem Aufkommen von Silizium-Kohlenstoff-Akkus. Durch die Zugabe von Silizium zur Anode passt mehr Energie in denselben Raum. Chinesische Hersteller wie Honor, OnePlus, Oppo, vivo und Xiaomi waren die ersten, die diese Technologie einsetzten.

EPREL-Energieetiketten des Samsung Galaxy S26 (links) und des Oppo A7 Pro Max (rechts)
Das Oppo A7 Pro Max verfügt über einen Akku, der 2,3-mal größer ist als der des Galaxy S26, erreicht jedoch eine 1,9-mal längere Akkulaufzeit

Dennoch steigt die Akkulaufzeit nicht im gleichen Tempo an. Seit Juni 2025 muss jedes neue Smartphone in der EU über ein Energieeffizienzlabel verfügen, und die entsprechenden Daten sind in der europäischen Produktdatenbank EPREL aufgeführt. Vergleicht man die Akkukapazität und die gemessene Laufzeit pro Ladung verschiedener Geräte, stellt man fest, dass die Laufzeit weniger schnell wächst als die Kapazität: 2,3-mal so viele mAh im A7 Pro Max ergeben 1,9-mal so viele Stunden wie im Galaxy S26.

Wohin fließt diese Energie?

Wer sich in der PC-Welt auskennt, erkennt das Muster. Prozessoren werden von Jahr zu Jahr schneller, doch ein Computer fühlt sich dadurch kaum schneller an. Die zusätzliche Rechenleistung wird von anspruchsvollerer Software, flüssigeren Animationen und Bildschirmen mit mehr Pixeln verbraucht. Der Informatiker Niklaus Wirth fasste dies bereits 1995 zusammen: Software wird schneller langsamer, als Hardware schneller wird.

Zwei Personen präsentieren ein neues Galaxy-Smartphone mit geräteinternen KI-Modellen
KI-Modelle laufen mittlerweile größtenteils auf dem Smartphone selbst

Genau das passiert gerade bei Smartphones. Die zusätzliche Kapazität fließt in Bildschirme, die heller sind als je zuvor, in höhere Bildwiederholraten, in KI-Funktionen, die auf dem Gerät selbst laufen, und in leistungsstärkere 5G-Modems. Ein Teil wird auch dafür genutzt, das Smartphone dünner zu machen. Der große Akku finanziert also in erster Linie die neuen Funktionen.

Drei Tage ohne Aufladen sind kein Ziel

Angenommen, Ihr Smartphone hält tatsächlich drei Tage durch. Selbst dann ist das nicht unbedingt praktisch. Tägliches Aufladen ist eine Gewohnheit: Abends das Smartphone ans Ladegerät anschließen, fertig. Einmal alle drei Tage aufzuladen ist kein Rhythmus, und wenn man keinen Rhythmus hat, vergisst man es. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie am dritten Tag unterwegs feststellen, dass Ihr Akku leer ist. Ein Smartphone mit langer Laufzeit kann Sie daher öfter im Stich lassen als eines, das Sie pflichtbewusst jede Nacht aufladen.

Was es tatsächlich löst: das Entladen

Der eigentliche Vorteil eines großen Akkus liegt in der Reserve. Diese Reserve macht sich in drei Situationen bemerkbar:

  • Der anstrengende Tag.
    Navigieren, den Hotspot für deinen Laptop nutzen, ein Tag auf einem Festival oder eine lange Reise: Mit einem Standardakku schaffst du es oft nicht bis zum Abend, mit 10.000 mAh hingegen schon.
  • Der alte Akku.
    Jeder Akku nutzt sich ab. Nach drei oder vier Jahren reicht ein abgenutzter 5.000-mAh-Akku oft nicht mehr für einen ganzen Tag. Ein 10.000-mAh-Akku hält nach dem gleichen Verschleiß immer noch deutlich länger als einen ganzen Tag. Gerade jetzt, da Hersteller wie Samsung und Google bis zu sieben Jahre Updates versprechen, hält der Akku endlich mit der Lebensdauer des Geräts Schritt.
  • Schonendere Ladezyklen.
    Wer den Akku einfach jede Nacht auflädt, entlädt ihn weniger tief. Das wirkt sich positiv auf die langfristige Lebensdauer aus.

Der Rat ist daher einfach: täglich aufladen. So startet man jeden Tag mit einem vollen Akku und einer beträchtlichen Reserve, und diese Reserve bleibt auch nach jahrelangem Gebrauch intakt. Der Akku ist daher nicht mehr der Grund, ein einwandfrei funktionierendes Smartphone nach wenigen Jahren zu ersetzen: Man nutzt es einfach länger.

Dauert das Aufladen eines so großen Akkus nicht ewig?

Ein größerer Akku benötigt mehr Zeit, um seine volle Kapazität zu erreichen. Schnellladen hilft zwar, führt aber bekanntermaßen zu einem schnelleren Verschleiß des Akkus. Bei einem großen Akku ist das jedoch nicht so schlimm. Was den Verschleiß angeht, kommt es nicht auf die Wattzahl auf der Verpackung an, sondern auf den Ladestrom im Verhältnis zur Kapazität. Bei gleicher Leistung wird ein 10.000-mAh-Akku etwa halb so stark belastet wie ein 5.000-mAh-Akku. Zudem bestehen viele dieser Akkus aus zwei Zellen, die sich den Strom teilen. Und wer nachts auflädt, merkt von der längeren Ladezeit nichts.

Oppo 240W SuperVOOC Flash Charge
60, 80, 100 und nun sogar 240-Watt-Ladeleistung

Für wen ist ein Smartphone mit 10.000 mAh interessant?

Ein Smartphone mit einem 10.000-mAh-Akku ist besonders für Vielnutzer interessant, für diejenigen, die oft unterwegs sind, und für diejenigen, die ihr Smartphone lange nutzen möchten. Für sie bedeutet der große Akku, dass das Smartphone in vier Jahren noch genauso zuverlässig sein wird wie am ersten Tag. Für diejenigen, die ihr Smartphone jede Nacht aufladen und es ohnehin nach zwei Jahren austauschen, ist es weniger nützlich. Für diese Nutzer bleiben 10.000 mAh in erster Linie eine beeindruckende Zahl auf der Verpackung.

Kann man ein solches Smartphone in den Niederlanden kaufen?

Kurz gesagt: nein. Wer in den Niederlanden nach einem Standard-Smartphone mit einem 10.000-mAh-Akku sucht, wird vorerst keines finden. Die Geräte, die diese Grenze überschreiten, wie das Honor Power2, das vivo Y600 Pro und das Realme P4 Power, sind weiterhin China und Indien vorbehalten. Das Oppo A7 Pro Max ist inzwischen in Deutschland und Österreich mit vollen 10.000 mAh auf den Markt gekommen. Ein Beweis dafür, dass es in Europa möglich ist – nur die Niederlande stehen nicht auf der Liste.

Am nächsten kommt das Xiaomi Redmi Note 17 Pro Max. In anderen Teilen der Welt verfügt es über einen 10.000-mAh-Akku, doch Xiaomi hat die Akkukapazität für den europäischen Markt auf 9.210 mAh reduziert. Dennoch ist dies einer der größten Akkus, die man hier in einem Standard-Smartphone finden kann.

Xiaomi Redmi Note 17 Pro Max mit einem 9.210-mAh-Akku
Nicht ganz 10.000 mAh, aber es kommt dem schon unangenehm nahe

Wer heute mehr als 10.000 mAh will, greift letztendlich auf robuste Handys von Marken wie Doogee und Oukitel zurück. Diese erreichen bis zu 22.000 mAh, sind aber mit einer Dicke von über zwei Zentimetern eher ein Ziegelstein als ein Smartphone.

Warum die europäische Version oft kleiner ist

Wer die Entwicklung neuer chinesischer Geräte verfolgt, beobachtet das oft: In China kommt das Gerät mit einem Akku mit Rekordkapazität auf den Markt, in Europa mit einem kleineren. Das hängt mit dem Transportweg nach Europa zusammen, der oft per Luftfracht erfolgt. Gemäß den internationalen Luftfrachtvorschriften gilt eine lose Lithiumzelle mit mehr als 20 Wh als vollwertige Gefahrengutladung. Ein 10.000-mAh-Akku in einer Zelle liegt deutlich darüber.

Diese Grenze hat einen guten Grund. Eine beschädigte oder defekte Lithiumzelle kann überhitzen und in Brand geraten, und ein solcher Brand erlischt nicht von selbst: Die Zelle erzeugt eigene Wärme und breitet sich auf benachbarte Zellen aus. In einem Flugzeug, in mehreren Kilometern Höhe und weit entfernt von einer Landebahn, ist das lebensgefährlich. Je mehr Energie in einer Zelle steckt, desto heftiger ist ein solcher Brand. Ab 20 Wh gelten daher strenge Anforderungen an Verpackung, Kennzeichnung und Mengen, was den Transport teuer und umständlich macht. Hersteller teilen den Akku daher in zwei kleinere Zellen auf oder wählen für Europa einen kleineren Akku.

Nachrichtenbeitrag von RTL Nieuws über eine Powerbank, die an Bord eines KLM-Flugzeugs in Brand geraten ist
Artikel auf RTL Nieuws über eine Powerbank, die an Bord eines KLM-Flugzeugs in Brand geriet

Wie real diese Gefahr ist, zeigte sich im September gleich zweimal. Am 18. September kehrte der KLM-Flug KL735 von Schiphol nach Curaçao über dem Atlantik um, nachdem eine Powerbank Feuer gefangen hatte. Die Powerbank gehörte dem ehemaligen KLM-Topmanager Camiel Eurlings, der leichte Verbrennungen davontrug. Mehr als eine Woche später musste ein Lufthansa-Flug auf dem Weg von Frankfurt nach Lissabon nach Lyon ausweichen, erneut wegen einer brennenden Powerbank. In beiden Fällen hatte die Besatzung das Feuer schnell unter Kontrolle.

Es ist nicht gestattet, Ihre Powerbank an Bord zu benutzen oder aufzuladen.

Hinzu kommt eine europäische Vorschrift. Ab Juni 2025 muss ein Smartphone-Akku in der EU nach 800 vollständigen Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent seiner Kapazität aufweisen. Die EU möchte, dass Handys länger halten und nicht so schnell im Müll landen. Silizium-Kohlenstoff-Akkus sind noch relativ neu, und wer diese Anforderung erfüllen will, entscheidet sich manchmal für einen konservativeren, kleineren Akku.

Funktion ‚Für den Versand vorbereiten‘ auf dem iPhone
Mit der Funktion „Für den Versand vorbereiten“ begrenzt das iPhone vorübergehend die Ladegrenze auf 80 Prozent

Apple hat beim iPhone 18 Pro Max einen anderen Weg eingeschlagen. Das ist das erste iPhone mit einem Ein-Zellen-Akku von mehr als 20 Wh. Eine Firmware-Beschränkung hält die Kapazität unter diesem Grenzwert, solange das Gerät auf dem Weg vom Werk ist. Erst bei der Aktivierung des Telefons wird die volle Kapazität freigegeben. Wenn man es später zur Reparatur oder zum Umtausch einschickt, setzt die Funktion „Für den Versand vorbereiten“ die Ladeobergrenze vorübergehend auf 80 Prozent. Sollte die Android-Welt diesen Trick übernehmen, könnte der Unterschied zwischen den chinesischen und europäischen Versionen verschwinden.

Wo bleiben die großen Marken?

Auffallenderweise stammen die Rekordakkus nicht von Samsung, Apple oder Google. Ihre Geräte bleiben weiterhin bei etwa 5.000 mAh stehen. Samsung hat zwar damit begonnen, dem Galaxy Z Fold 8 und dem Z Flip 8 in geringem Umfang Silizium-Kohlenstoff beizumischen, doch ist dies noch nicht viel. Von einer vollständigen Umstellung kann noch keine Rede sein, obwohl es dafür verständliche Gründe gibt.

Samsung Galaxy Z Fold 8-Serie und Z Flip 8 nebeneinander
Das Galaxy Z Fold 8 (Ultra) und das Flip 8 sind die ersten Samsung-Smartphones mit (einem geringen Anteil an) Silizium-Kohlenstoff

Silizium dehnt sich beim Laden deutlich stärker aus als das Graphit in einem klassischen Akku. Das führt zu mechanischer Spannung in der Zelle. Zudem reagiert Silizium heftiger mit der Flüssigkeit im Akku, wodurch bei jedem Ladezyklus etwas mehr Kapazität verloren geht. Die Technologie gewinnt somit an Kapazität, büßt aber potenziell an Lebensdauer ein. Die Hersteller begrenzen daher den Siliziumanteil in ihren Zellen. Wie sich Silizium-Kohlenstoff-Akkus nach fünf oder sieben Jahren in der Praxis bewähren, bleibt abzuwarten.

Für die großen Marken wiegt dieses Risiko schwer. Sie verkaufen jährlich mehrere zehn Millionen Geräte und versprechen bis zu sieben Jahre lang Updates. Ein Akku, der sich schneller verschleißt oder nach drei Jahren aufquillt, ist dann ein kostspieliges Problem. Samsung weiß, wie sich das anfühlt: 2016 musste das Unternehmen das Galaxy Note 7 weltweit zurückrufen, weil sich die Akkus entzündeten. Doch das eine muss das andere nicht ausschließen. Selbst wenn sich ein Silizium-Kohlenstoff-Akku etwas schneller abnutzt, hat ein 10.000-mAh-Akku nach jahrelangem Gebrauch immer noch mehr Kapazität übrig als ein klassischer 5.000-mAh-Akku.

Fazit: Das Smartphone wird zur eigenen Powerbank

Die Powerbank war schon immer nur ein Notbehelf bei leerem Akku. Wenn das Smartphone dieses Problem selbst löst, verliert dieser Notbehelf seine Funktion – zumindest im Mittelklassebereich. Eine durchschnittliche Powerbank mit 10.000 mAh gibt aufgrund von Umwandlungsverlusten etwa zwei Drittel ihrer Kapazität an das Smartphone weiter. Damit füllt man ein Gerät mit einem 10.000-mAh-Akku also zu etwa zwei Dritteln auf. Man schleppt also einen zweiten Klotz mit sich herum, der nicht einmal für eine vollständige Ladung reicht. Und wer keine Powerbank mehr mit an Bord nimmt, läuft auch nicht Gefahr, der Nächste zu sein, der einen Flug zur Umkehr zwingt.

Samsung Wireless Battery Pack 10.000 mAh in Beige mit USB-Kabel
Diese Art von Powerbanks mit etwa 10.000 mAh werden aufgrund immer größerer Handy-Akkus überflüssig

Damit verschwindet die Powerbank jedoch noch nicht. Kleine magnetische Modelle sind nach wie vor praktisch für Geräte mit einem kleineren Akku, wie beispielsweise die meisten iPhones und Kompaktmodelle. Große Powerbanks mit 20.000 mAh und mehr dienen nun einem anderen Zweck: dem Aufladen eines Laptops, mehrerer Geräte gleichzeitig oder für ein Campingwochenende. Zudem können viele Smartphones mit Reverse-Charging-Funktion Ihre Ohrhörer oder Ihre Smartwatch selbst aufladen. Damit reiht sich die Powerbank in die Liste der Geräte ein, die das Smartphone bereits abgelöst hat – nach dem MP3-Player, der Kompaktkamera, dem Navigationsgerät und dem Wecker.

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Martijn Rodenboog
Chefredakteur
Als Gründer von NewMobile ist Martijn für die technische und strategische Entwicklung der Plattform verantwortlich. Als IKT-Experte entwickelte er die Website seit ihrer Gründung im Jahr 2002 eigenständig und pflegt sie bis zum heutigen Tag.
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